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Pionierbataillon 9

Am 2. Oktober 1934 rückten wieder Pioniere in die Kurhessen-Kaserne ein. Mit dem Parademarsch des ehemaligen Kurhessischen Pionierbataillons Nr. 11 (Großherzog von Baden) zogen sie durch die Straßen der Stadt. Die Bürger bereiteten ihnen in einer festlich geschmückten Stadt einen triumphalen Empfang.

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Wappen PiBtl 9

Parademarsch

Das einrückende Bataillon, das zunächst "Pionierbataillon Münden" hieß, wurde aus zwei Kompanien des Ulmer Reichswehr-Pionierbataillons 5, der 5. Kompanie und der Traditionskompanie des "Kurhessischen Pionierbataillons Nr. 11", der 1. Kompanie, aufgestellt. Nach Einführung der allgemeinen Wehrpflicht wurden 1935 die ersten Wehrpflichtigen einberufen. Bis zum Juni 1936 hatte das Bataillon sieben Kompanien, von denen vier Kompanien in der Kurhessen-Kaserne und drei Kompanien in der 1935 fertig gestellten "Gneisenau - Kaserne" im Gimter Feld untergebracht waren.

Marsch auf der Wilhelmshäuser Str.

Ausmarsch Wilhelmshäuser Straße

Das Pionierbataillon 9 richtete vom 6. - 10. Juni 1936 den 4. Mündener Pioniertag aus. Im Zuge der Feierlichkeiten wurde das umgesetzte Pionierdenkmal an der Fuldabrücke, die gleichzeitig in Pionierbrücke umbenannt wurde, geweiht.


Weihe des neuen Pionierdenkmals

Weihe des neuen Pionierdenkmals am 07. Juni 1936

In den Jahren 1935/36 gingen aus dem Pionierbataillon 9 bei der Heereserweiterung die Pionierbataillone 29 und 49 hervor. Am 15.10.1935 wurde das Pionierbataillon 29 und am 6.10.1936 das Pionierbataillon 49 aufgestellt. Während die beiden neuen Bataillone in Münden verblieben, verlegte das Pionierbataillon 9 nach Hanau.

9.Korp der 1. Kp, 1935/36

9. Korporalschaft der 1. Kompagnie Pionier-Bataillon 9, 1935-1936

Erinnerungen von Johann Christian Gembe, Dipl. Ing. (FH), ehem. Oberfunkmeister PiBtl 9 (entnommen einer Bataillonsbroschüre von 1981):

Vorbereitungen

"Am 29.8.1934 wurden ausgewählte Offiziere und Unteroffiziere des Pionierbataillons 5, Ulm/Donau, gegen 11.00 Uhr auf das Bataillonsgeschäftszimmer befohlen, wo ihnen unter dem Versprechen der Verschwiegenheit von dem Bataillonskommandeur eröffnet wurde, daß sie ein Vorkommando bilden und die von 1920 bis 1934 zweckentfremdete Pionierkaserne, welche in dieser Zeit der Polizei als Polizeischule diente, zu übernehmen und so herzurichten hatten, daß am 2. Oktober 1934 die aus Ulm/Donau kommenden Pioniere, Teile aus Stabspersonal, 1. (preuß.) Kompanie des Pionierbataillons 5 Ulm/Donau, welche in Neu-Ulm stationiert war, Teile des 2. (württbg.) Kompanie und der 3. (preuß.) Kompanie aus Ulm/Donau in der alten Pionierstadt Hann. Münden wieder eine ordnungsgemäße Unterkunft beziehen konnten.
Führer des Vorkommandos war der damalige Kompaniechef der 1. (preuß.) Kompanie des Pionierbataillons 5, Ulm/Donau, Hauptmann Hans von Ahlfen, ein in Krieg und Frieden hochbegabter Pionieroffizier. Am 31. August 1934 verließ das Vorkommando bei Nacht und Nebel unter Führung des Oberleutnant Günter Wolff, bis dahin Führer des Stabspersonals Pionierbataillon 5, Ulm/Donau, mit dem Eisenbahnzug die alte Garnisonstadt Ulm/Neu-Ulm, um wiederum bei Nacht am 1.9.1934 in Hann-Münden Fuß zu fassen. Für uns alte "Ulmer Pioniere" ein schwerer Schlag, da wir fast keine Gelegenheit mehr fanden, uns von unseren Bekannten und Freunden noch zu verabschieden.
Angenehm wurden wir dafür entschädigt, als trotz strengster Geheimhaltung eine Abordnung der Stadtverwaltung Hann. Münden das Vorkommando am Bahnhof in Hann. Münden begrüßte. Mit einem Pionierlied auf den Lippen marschierten wir durch die Bahnhofstraße bis vor das "Hotel Krone", wo Oberleutnant Wolff das Vorkommando im Paradeschritt marschieren und halten ließ. Nach einem von der Stadtverwaltung gestifteten Abendessen mit Umtrunk im "Hotel Krone" marschierten wir durch die Lange Straße über die Fuldabrücke am Schmucken Jäger vorbei zu unserer neuen, alten Pionierkaserne.
In Tag- und Nachtarbeit unter der Leitung von Oberleutnant Wolf und Herre waren wir um den 20.9.1934 mit den Instandsetzungen so weit fertig, daß das Vorkommando mit Zuversicht der "Ankunft der Ulmer Pioniere" entgegensehen konnte. Mir selbst fiel der Auftrag zu, das Standortfernsprechnetz Hann. Münden zu planen und auszubauen.
Diese Arbeiten wären ohne die Mithilfe der Hann. Mündener Geschäftswelt nicht möglich gewesen. Dabei wurden die ersten freundschaftlichen Bande zwischen Bevölkerung und den neuen Pionieren geknüpft.

Einmarsch der "Ulmer Pioniere" in Hann. Münden

Am 2. Oktober 1934 war es dann so weit, daß die Pionierstadt Hann. Münden seine Pioniere wieder hatte. Begeisterung, Freude und Jubel der Mündener Bevölkerung klang laut durch die festlich geschmückte Stadt, als die "Ulmer Pioniere" vom neuen Bataillonskommandeur erwartet wurden.
Als der Eisenbahnzug gegen 11.00 Uhr eintraf, waren die Waggons ebenfalls humorvoll bemalt und trugen die Aufschrift: "Lebt wohl, Nudeln, leb' wohl Ulm!" Also hatten die "Ulmer" den Abschied aus ihrer geliebten Garnison Ulm/Neu-Ulm mit einem lachenden und einem weinenden Auge überbrückt.
Nachdem Hauptmann Hans von Ahlfen die vor dem Bahnhof angetretenden "Ulmer Pioniere" dem Bataillonskommandeur, Herrn Oberstleutnant Ludwig Theune, gemeldet hatte, ordnete sich das neue Bataillon zum Einzug in den Standort vor dem Bahnhof, der von Menschen wimmelte, die den neuen Pionieren begeistert zujubelten. Vor dem Bahnhof hatte die Stadt Hann. Münden eine Ehrenpforte gebaut; die Straßen waren mit Fahnen, Blumen und Girlanden reich geschmückt. Die Geschäfte und Betriebe hatten für diesen Tag geschlossen.
Mit dem Parademarsch des ehemaligen Kurhessischen Pionierbataillons Nr. 11 traten die "Ulmer Pioniere", an der Spitze Oberstleutnant Theune, den Einzug in den Standort Hann. Münden an.
Nach dem Durchmarsch durch die Stadt ging es über die Fuldabrücke zum Pionier-Ehrenmal für die Gefallenen des ehemaligen Pionierbataillons 11, wo der "Verein Mündener Pioniere" bereits Aufstellung genommen hatte.
Oberstleutnant Theune legte zu Ehren der Gefallenen einen Kranz nieder, während das Musikkorps unter präsentiertem Gewehr der neuen Hann. Mündener Pioniere das "Lied vom guten Kameraden" spielte.
Nach dem Einzug in die Kurhessen-Kaserne nahm das Bataillon Paradeaufstellung auf dem Kasernenhof.
In der Mitte des Kasernenhofes standen die Vertreter der Behörden und der vielen Hann. Mündener Vereine.
Namens der Stadt Münden begrüßte Bürgermeister Sieh das neue Bataillon.
Abends fanden in allen Lokalen der Stadt Feiern mit Tanz statt, an denen sich die Bürgerschaft bis zum nächsten Morgen beteiligte und wo in Reden und Unterhaltungen immer wieder zum Ausdruck kam, daß Hann. Münden endlich wieder Pioniergarnison geworden sei. Die Feiern knüpften das Band zwischen Bevölkerung und den jungen Pionieren, insbesondere aber mit den alten "11er" Pionieren, kräftig bis zum nächsten Morgen."

Vorbeimarsch, verm. 1936

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